Wohin geht die Reise für Open Compute? Eindrücke vom OCP Summit 2022

Vom 18.-20. Oktober fand dieses Jahr der jährliche globale Open Compute Project Summit in San José (CA) statt. Wir waren selbst vor Ort und wollen einige unserer Eindrücke hier einmal teilen. 

Was ist der OCP Global Summit?

Seit zwölf Jahren gibt es die Open Compute Project Foundation. Der Open Compute Project (OCP) Summit ist die größte Zusammenkunft von Open Compute Evangelists und findet zweimal im Jahr statt – im Frühjahr wird der OCP Regional Summit in Europa abgehalten, der sich speziell mit den Herausforderungen und Lösungen dieser Region befasst, während der OCP Global Summit jährlich im Herbst in San Jose, Kalifornien, stattfindet. Auf dem globalen Summit stellen die Mitglieder der OCP Foundation die neuesten Entwicklungen und innovative Projekte vor. Zentrale Themen des diesjährigen Global Summits waren Nachhaltigkeit, die engere Integration von Hard- und Software und die Beschleunigung von Systemen gewesen.

Als Vorab-Fazit lässt sich sagen, dass sich das Open Compute Project und seine Community weiterhin im Aufschwung  befinden — es waren über 3500 Präsenzbesucher vor Ort, damit war es der bisher größte Summit. Die OCP Community hat mittlerweile ca. 300 Mitglieder und über 5.000 aktive Teilnehmer. Der Open Compute Markt ist 2021 – etwas gebremst durch COVID-19 – um 12,5 Prozent auf 18 Mrd. Dollar gewachsen. Für das Jahr 2026 ist eine Marktgröße von 36 Mrd. Dollar prognostiziert.

Interessante Zahlen zur OCP Foundation verkündete deren CEO, George Tchaparian, in seiner Keynote Speech. Seit der Veröffentlichung der Gebäudeanforderungen für OCP kompatible Colocation („Colocation Facility Guidelines for Deployment of Open Racks“) in 2020, haben sich acht Co-Location-Standorte zertifizieren lassen. Zudem gibt es mittlerweile 11 „OCP Experience Center“. Hier präsentieren bzw. demonstrieren Partner-Mitglieder durch eigene Show-Cases ihren Anwendungsweg für andere OCP-Interessierte. Alle OCP-Experience Center befinden sich derzeit noch im EMEA-Raum. Sechs weitere sind international in Planung. 

In mehreren Keynotes auf dem Summit wurde betont,  dass die Tage von Moore’s Law und die Illusion vom unendlichem Wachstum gezählt seien. Zur Erinnerung:

Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Anzahl an Transistoren, die in einen integrierten Schaltkreis festgelegter Größe passen, sich etwa alle 2 Jahre verdoppeln.

Das Mooresche Gesetz ist jedoch kein Naturgesetz. Das weitere Wachstum von Rechenzentren und den dort verarbeiteten Datenmengen dürfte zukünftig nicht nur von neuen, immer günstigeren Technologien, sondern auch stark von der Innovationsgeschwindigkeit im Bereich Software zur Beschleunigung und Effizienzsteigerung und einer Entkopplung von der Ressourcenknappheit durch zirkuläre Kreisläufe für IT-Infrastruktur abhängen. 

Nachhaltigkeit ist nun 5. Grundsatz von OCP

Nachhaltigkeit (Sustainability) wird für die OCP Foundation  neben den vier bisherigen Grundsätzen Effizienz (Efficiency), Impact (Bedeutung für die Entwicklung der Branche), Offenheit (Openess) und Skalierbarkeit (Scalability) zum neuen, übergeordneten fünften Grundsatz. Dafür werden jährliche Berichte und eine Roadmap, sowie neue Projekte in die Arbeit der Open Compute Community aufgenommen.

Die OCP Foundation hat eine Reihe von Nachhaltigkeitsprojekten gestartet, die in elf bereits vorhandenen Projekten, wie im Bereich Server, Kühlungssysteme, Data Centre Facility Management integriert vorangebracht werden. Zum Beispiel wird im Projekt „Cooling“ intensiv an den Ursachen und Lösungen für eine geringe Adoption von Immersion-Cooling, Cold-Plates und Abwärmenutzung im Rechenzentrum geforscht. Durch Liquid bzw. Immersion Cooling sind deutlich niedrigere Power-Usage-Effectiveness-Werte (PUEs) von 1,05 erreichbar. Das heißt, dass nur 5 Prozent Energie für die unterstützende IT-Infrastruktur aufgebracht werden muss, weil ein großer Teil des Infrastruktur-Overheads wie beispielsweise energieintensive Lüfter entfallen. Mit Luftkühlung sind im Bestfall nur PUE Werte von 1,2-1,3 erreichbar. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei Immersion- bzw. Wasserkühlung ironischer Weise auch der Wasserverbrauch gegenüber herkömmlicher Luft-Wasserkreisläufe deutlich geringer ausfällt, was gerade mit zunehmender Wasserknappheit entscheidend sein könnte.

„Hardware Aware Software“ – Die Verschmelzung von Hardware und Software

Eine weitere bedeutsame Entwicklung innerhalb der Open Compute Welt sind neue Kooperationsprojekte von OCP und der Linux Foundation. Die Zusammenarbeit von Hard- und Software Development dient zum einen dazu, die Resilienz von laufenden Systemen zu verbessern. Durch „Hardware Aware Software“ sind jedoch auch enorme Effizienzsteigerungen und somit Nachhaltigkeitsverbesserungen für eine optimierte Nutzung vorhandener Compute, Memory und Networking Ressourcen möglich, sowie auch Workload-Beschleunigungen. Compute intensive Technologien wie Machine Learning (ML) und Artificial Intelligence (AI), aber auch eine effiziente Datenverschlüsselung und -komprimierung, die zur Zeit noch durch Grenzen im Bereich Arbeitsspeicher und Netzwerkkapazität ausgebremst werden,  würden so zukünftig besser unterstützt. Open Compute könnte somit zum Standard für viele Zukunftstechnologien werden.

Das moderne Rechenzentrum von heute

Der OCP Summit 2022 vermittelt eine klare Vision davon, wie moderne Rechenzentren zukünftig und in Teilen schon heute aussehen:

  • Modular: OCP ist führend an der Entwicklung des Standards DC-MHS (Data Center Modular Hardware System) beteiligt. Mitglieder wie Dell, Intel, Google, Meta, HP, Microsoft und AMD arbeiten gemeinsam an einem Standard für ein Bauklotzsystem von Hardware-Komponenten, die einen zirkulären Rohstoffkreislauf und bessere Skalierbarkeit ermöglichen.
  • Nachhaltig: OCP-Server sparen Energie und sind durch eine reduzierte Bauweise ressourcensparend gebaut. Weiterhin gibt es viele integrierte Ansätze zur besseren Kühlung, wie die oben genannte Immersionskühlung.
  • Resilient: Eine verbesserte Integration von Hardware und Software und die Weiterentwicklung des Software Defined Datacenters reduzieren die Anfälligkeit gegen Störungen und zunehmende Angriffe auf systemrelevante Infrastrukturen.

Warum ein Umdenken hin zum zirkulären und nachhaltigen Rechenzentrum dringend notwendig ist, macht „DJ“, Darmesh Jani, in seiner Keynote sehr anschaulich deutlich. Denn durch den Umstieg von konventionellen auf erneuerbare Energiequellen, den einige Rechenzentren bereits vollzogen haben, werden die vorgelagerten Scope-3-Emissionen — also solche für Hardware, unterstützende Infrastruktur und Gebäude — für den CO2-Fußabdruck von Rechenzentren zum alles dominierenden Faktor. Der vorgelagerte Anteil von CO2-Äquivalenten steigt von bisher 35 Prozent zu nun 82 Prozent der verursachten Emissionen.

Fazit und Ausblick

  • Das Interesse an Open Compute Hardware wächst weiter.
  • OCP hat mit seinem durchgehend vertikalen Ansatz sehr gute Voraussetzungen, Skalierungs- und Nachhaltigkeitsprobleme, die Rechenzentren heute sehen, zu lösen. z.B. im Bereich Wasserkühlung und Hardware Aware Software. 
  • Nachhaltigkeit wird zum 5. OCP Grundsatz und wird die Adoption von Open Hardware  im Bereich klimaschonender IT noch attraktiver machen.
  • Auch Adoption im Bereich Enterprise und Government wird zunehmen, um Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu vermeiden oder auch um Stromkosten zu senken (Unterbrochene Supply Chains / requirement of Government: Openness, teure Stromkosten: Kostenersparnis, Nachhaltigkeit, Skalierbarkeit im Cloud und Dedicated Bereich
  • Resilienzgewinne können ein weiterer Adoptionsgrund für Open Compute sein.

Sie sind am Thema Open Compute Hardware interessiert oder haben Fragen? Nehmen Sie gerne Kontakt auf!

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